Lesbische Frauen in Südafrika leben in Angst

Die Schweizer Fotografin Elisabeth Real hat homosexuelle Frauen in Südafrika porträtiert. Ihr Projekt zeigt erschütternde Schicksale und Lebensgeschichten.

Von: Rike Hug

Lesbische Frauen in Südafrika leben in Angst
Bild: Elisabeth Real "Wenn du zurück bist, bin ich vielleicht tot": Die Aussage der Porträtierten Tumi wurde zum Titel der Serie.
01 Mär '18
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Für ihre Porträt-Reihe "When you are back, I might be dead" hat Elisabeth Real fünf Jahre lang lesbische Frauen aus Südafrika begleitet, porträtiert und ihre Lebensgeschichten dokumentiert. Die Bilder und die dazugehörigen Texte sind Beweis für die Schwierigkeiten, die Gefahren und die Ungleichheiten mit denen lesbische Frauen in Südafrika konfrontiert sind.

Die Frauen sind grosser Gewalt ausgesetzt, werden sozial stigmatisiert und leben häufig in Angst vor sexuellen und anderen gewalttätigen Übergriffen, die mitunter unter dem Vorsatz begangen werden, die Frauen damit in die "richtige" Richtung zu bekehren. Jede Frau hat ihre eigene sehr berührende und aufrüttelnde Geschichte, in der deutlich wird, was es im Kontext gesetzlicher und gesellschaftlicher Gleichstellung in Südafrika dringlichst zu tun gäbe.

Auf der Liste steht auch Russland

Elisabeth Real hat mit "The Lesbian Lives Project" nicht nur Lesben in Südafrika porträtiert, sie hat auch hier in der Schweiz mit homosexuelle Frauen gesprochen. Zwar ist bei uns gesetzlich vieles geregelt, doch gibt es bei der Gleichstellung immer noch zahlreiche Aspekte, die weiter verhandelt werden müssen. Elisabeth Real wird weiterziehen und lesbische Lebensgeschichten sichtbar machen, die sonst keine Beachtung finden würden. Auf ihrer Rechercheliste stehen Russland, Kasachstan, Iran und Tunesien.

"When you are back, I might be dead" wird im Rahmen des Swiss Photo Awards 2018 ab dem 22. März ausgestellt. Über das Erscheinen der beiden Publikationen "Switzerland" und "South Africa" von Elisabeth Real kann man sich hier informieren.

So leben lesbische Frauen in Südafrika

  • Bild: Elisabeth Real

    Junge, homosexuelle Frauen an einem Sonntagnachmittag in Johannesburg, 2017.

  • Bild: Elisabeth Real

    2012 traf Fotografin Elisabeth Real Tumi Mkhuma zum ersten Mal. Bei der Verabschiedung sagte Tumi zu Elisabeth: "When you come back next time, I might be dead" – diese Aussage war der Auslöser und Namensgeber für das Projekt.

  • Tumi Mkhuma mit ihrer Tochter Willow in Johannesburg, 2017.

    Bild: Elisabeth Real

    Tumi Mkhuma mit ihrer Tochter Willow in Johannesburg, 2017.

  • Bild: Elisabeth Real

    Bilder von Khosi Nkosi. Die homosexuelle Frau wurde am 4. Dezember 2016 in Vosloorus, Südafrika, ermordet. Die Polizei hat in ihrem Fall bis heute nicht ermittelt.  

  • Bild: Elisabeth Real

    Mpumie Sibeko mit ihrem Sohn Aphiwe 2017 in Vosloorus. Mpumie ist in einer Beziehung mit einer Frau - für ihren Kinderwunsch baten sie einen gemeinsamen Freund um eine Samenspende. 

  • Bild: Elisabeth Real

    Die 19-jährige Nonhlanhla Matsoyane aus Duduza, Südafrika. Als sie 16 Jahre alt war, vergewaltigte ihr Onkel sie – Nonhlanhla wurde schwanger. Während der Tat sagte er ihr, er wolle ihr lernen, "normal" – also heterosexuell – zu werden. Seit ihr Sohn geboren wurde, kommt Nonhlanhlas Onkel ab und an vorbei, um mit ihm zu spielen. Nonhlanhla empfindet gleichermassen Liebe und Hass für ihren Sohn.

  • Bild: Elisabeth Real

    Duduzile Zozo war eine 26-jährige Frau aus Tokoza. Ihr lebloser Körper wurde am 30. Juni 2013 hinter ihrem Haus gefunden. Der Täter vergewaltigte sie vor dem Mord. Der Fall wurde – für südafrikanische Verhältnisse – gewissenhaft untersucht.

  • Bild: Elisabeth Real

    Duduziles Mutter Thuziwe mit der restlichen Familie in Tokoza bei Johannesburg, 2014.

  • Bild: Elisabeth Real

    Duduziles Mutter, Vater und Schwester besuchen ihr Grab auf dem Kromvlei Friedhof in Johannesburg, 2017.

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