Kann lesbisch sein hip sein?

US-Medien haben Schauspielerin Ruby Rose und ihr Lesbisch-Sein zum Trend erkoren. Unsere Autorin Verena Tempelmann findet das sonderbar. Wie denkt ihr darüber?

Kann lesbisch sein hip sein?
Bild: Instagram rubyrose Ruby Rose: Schauspielerin, Model, lesbisch.
23 Jun '15
zurück +92 -59
23 Jun '15
zurück +92 -59

Die 28-jährige Ruby Rose ist gerade in aller Munde. Warum? Nun, die Australierin ist Model und als aufstrebende junge Schauspielerin in der Netflix-Serie "Orange Is The New Black" zu sehen. Sie ist am ganzen Körper tätowiert und in den Augen der meisten Leute eine sehr attraktive Frau. Doch geschrieben und geredet wird vor allem über etwas: Ruby ist lesbisch - in der Serie, wie auch im echten Leben.

Zara Barrie, lesbische Autorin beim Generation-Y-Portal elitedaily.com, schreibt, dass wegen des Ruby-Hypes gerade so ziemlich jede Amerikanerin ihre Sexualität in Frage stelle. Oder anders gesagt: Lesbisch sein sei in Amerika derzeit hip. Barrie findet das aufregend und bestärkend. Endlich würden lesbische Frauen als sexuelle Wesen gesehen, und sie selbst sei so zu einer "supertrendigen Lesbe" avanciert, schreibt sie. Wenn es nach der Autorin ginge, müssten die "Hetero-Medien" dem Thema sehr viel mehr Aufmerksamkeit schenken. 

Dass eine sexuelle Orientierung zu einem Trend erklärt wird, ist doch irgendwie befremdlich und kurios. Kann ich etwa steuern, in wen ich mich verliebe? Je nachdem, welche Orientierung gerade in ist? Das Problem mit den Trends ist: Sie sind so schnell da, wie sie wieder weg sind. Und um Trends besser definieren zu können, werden sie in ihren Feinheiten verallgemeinert - es entstehen Vorurteile. Auch Zara Barrie verfällt in ihrem Artikel den Klischees: Die lesbische Gemeinschaft strotze vor heissem Sex und offensichtlicher Begierde. Und es gäbe diesen einzigartigen Sex-Appeal, wie ihn eben nur Lesben haben könnten. 

Da ich selbst diesen "Trend" schon im Alter von 17 Jahren für mich entdeckt habe, könnte ich mich jetzt ja getrost zurücklehnen: ich habe ein ausschweifendes Sexualleben und bin gerade unheimlich cool. Aber das entspricht nicht dem, was ich bin - geschweige denn, dem, was ich sein will. 

Ich hatte grosses Glück als ich mich mit 17 in die erste Frau verliebte. Meine Familie, Freunde, mein ganzes Umfeld haben mir nie das Gefühl gegeben, etwas anderes als normal zu sein. Ich brauchte keinen Ruby-Rose-Trend, um meine sexuelle Orientierung zu finden. Dafür bin ich sehr dankbar. Und übrigens:  Ich will mich da auch bis heute nicht festlegen. 

Was uns allen gut tun würde, wäre einfach normal sein zu dürfen - egal welche sexuelle Orientierung wir ausleben. Und sich auch nicht entscheiden zu müssen, nur das eine oder das andere zu wollen.

Deswegen frage ich mich bei dem ganzen Gerede: Wem bringt das was? Und was bitte bleibt denn, wenn der Trend vorbei ist?  

 

Ist lesbisch sein im Trend? Wie seht ihr das?

comments powered by Disqus

Lies auch das